Herr Niedermöller: „Ich bin wirklich richtig gerne zur Schule gegangen.“

Wir haben 2017 einen neuen Schulleiter bekommen. Um etwas mehr über ihn zu erfahren, haben wir ihn interviewt. Er hat uns Antworten auf sehr viele interessante Fragen gegeben.


Was finden Sie an unserer Schule besonders gut?
Zunächst einmal die Schüler, die sich unglaublich gut an Regeln halten können. Wenn man in der Pause auf den Schulhof schaut, hat man manchmal den Eindruck, dass eigentlich gerade keine Pause ist, weil alle sehr zurückhaltend sind. Innerhalb des Schulgebäudes läuft das Ganze auch sehr geregelt ab. Man merkt einfach, so wie das Gebäude aussieht, dass es viele Schüler gibt, die ein bisschen auf die Schule aufpassen und das alles hier als „ihres“ sehen und toll lernen und sich ebenso in viele Sachen einbringen. Gerade das gefällt mir, dass es etwas gibt wie das Teamerprojekt, in dem Schüler sich Zeit nehmen und etwas für die Schule machen, was eigentlich ihre „Freizeit“ ist. Das finde ich toll. Und die Eltern: Ich war total überrascht, als ich in den Elternversammlungen war. Von der fünften Klasse bis zur Qualifikationsphase 3 waren die Räume voll mit Eltern. Es herrscht ein großes Interesse an dem, was die Kinder machen. Auch die Zusammenarbeit mit der Elternvertretung ist gut. Von den Schülern würde ich mir wünschen, dass sie noch ein bisschen aktiver werden und sich noch mehr einbringen. In diesem Hinblick sind mir die Schüler sogar ein bisschen zu brav. Und nicht zuletzt die Kollegen. Wir sind keine Schule, die die Kollegen groß entlasten kann, wenn sie irgendwelche Sonderaufgaben übernehmen, was heißt, alle Kollegen, die euch in solchen Dingen betreuen, z.B. beim Sleepover, machen das in ihrer Freizeit. Ich muss aufpassen, dass ich nichts vergesse. Die Schulbibliothek mit den Kantabenden ist auch eine tolle Sache. Und es gibt noch viele, viele Dinge, die leider an der Schule zu wenig Personen mitbekommen, z.B. dass wir im letzten Jahr im Bundesfinale Volleyball waren. Also dort, wo die besten Schulen ganz Deutschlands sich versammeln, hatten wir die Sportschule geschlagen. Ich glaube, das weiß fast niemand hier in der Schule.


Was möchten Sie an unserer Schule noch ändern?
Eine Sache, die auch von Herr Knop angedacht war, ist, dass unsere Schule einen offenen Ganztag bekommt. Das heißt, die Schule bekommt mehr außerunterrichtliche Angebote, auch am Nachmittag, also mehr Arbeitsgemeinschaften. Es kommen Schulsozialarbeiter hier an die Schule und wir bekommen weiteres Personal, wovon die Schüler sehr stark profitieren.


Wie sieht bei Ihnen ein typischer freier Tag aus?
Ein freier Tag? Beispielsweise mein letztes Wochenende sah so aus, dass ich am Samstag um 5.15 Uhr aufgestanden bin, um mit meinem Sohn drei Stunden nach Chemnitz zu fahren, damit er dort zwei Stunden in einer verdammt kalten Halle Eishockey spielen kann und nachmittags bin ich drei Stunden wieder zurückgefahren und war dann abends um sechs wieder zu Hause. Mein Sohn ist sieben, meine Tochter ist fünf und beide spielen Eishockey. Der Sonntag war so ähnlich, nur dass wir nicht nach Chemnitz gefahren sind, sondern nach Halle. Das heißt, die Wochenenden gehen gerade ziemlich für die Freizeitbeschäftigung meiner Kinder drauf. Ansonsten, wenn z.B. Ferien sind, sitze ich ziemlich häufig vor dem Computer und mache viel für die Schule. Freizeit ist nicht so richtig da. Das ist schade und vor allem sage ich den Kollegen immer, sie sollen auch auf sich schauen. Leider habe selbst in dieser Hinsicht noch Verbesserungspotential, dass ich z. B. öfter etwas für mich oder etwas mit meiner Frau zusammen mache, aber das ist sehr selten zur Zeit.


Was unterrichten Sie am liebsten?
Ich unterrichte Physik und Sport und ich kann mich nicht entscheiden, was ich mehr mag. Sport hat seine Vorzüge, weil man einen ganz anderen Kontakt mit den Schülern bekommt und auf einer ganz anderen Ebene mit den Schülern kommuniziert. Physik finde ich auch total spannend und es macht mir auch sehr viel Spaß, das zu unterrichten. Die Frage kann ich nicht beantworten.


Was haben Sie als Kind am liebsten gemacht?
Sport!


Was haben Sie beruflich gemacht, bevor Sie an unsere Schule gekommen sind?
Soll ich chronologisch vorgehen? Ich komme ursprünglich aus Baden-Württemberg und habe auch dort studiert. Mein Referendariat habe ich aber am John-Lennon-Gymnasium in Berlin-Mitte gemacht. Da Berlin nicht eingestellt hat, habe ich zwei Jahre in Mexiko-Stadt an der deutschen Schule unterrichtet. Anschließend hat Berlin immer noch nicht eingestellt, deshalb bin ich nach Baden-Württemberg gegangen und war drei Jahre lang Lehrer in einer kleinen Stadt – etwas nördlich von Stuttgart. Weil meine Frau es in Baden-Württemberg nicht so toll fand, sind wir nach Berlin zurückgekehrt. Dann war ich ein Jahr an der Goethe-Oberschule in Lichterfelde. Nach einem Jahr bin ich dann an das Lessing-Gymnasium gewechselt, war da vier Jahre und bin dann stellvertretender Schulleiter am Gymnasium Tiergarten geworden. Da war ich vier Jahre Stellvertreter und jetzt bin ich hier.


Was wollten Sie als Kind werden?
Das weiß ich gar nicht. Ich würde mal tippen Profisportler oder etwas in die Richtung. Also ich sehe ja, was mein Sohn werden will: Er hat vor Kurzem zu mir gesagt, er möchte entweder Lehrer oder Profieishockeyspieler werden. Ich kann mich aber ziemlich genau daran erinnern: als ich angefangen habe, mich ernsthaft damit auseinanderzusetzen, was ich werden möchte, war das immer Lehrer. Hauptsächlich, weil ich etwas verändern wollte, also den Schülern etwas mitgeben möchte und weil ich etwas in der Gesellschaft bewegen möchte. Das waren die Gründe, warum ich Lehrer geworden bin.


Was mögen Sie am Unterrichten am meisten?
Der Kontakt mit den Schülern! Hört sich jetzt ein bisschen komisch an und wenn das Lehrkräfte lesen, schütteln sie mit dem Kopf, aber für mich ist im Moment Unterrichten Entspannung. Weil ich es sehr angenehm finde, in einer Klasse zu sein und mit den Schülern an einem Thema zu arbeiten, das ich spannend finde. Ich weiß, nicht jedem Schüler gefällt das, aber zumindest mir macht es Spaß.


Was finden Sie an Schülern das Nervigste?
Puuh. (überlegt) Das ist echt schwer zu sagen, weil man als Lehrer ganz anders auf euch Schüler schaut, als ihr das wahrnehmt. Ihr denkt vermutlich, oh, der ist voll genervt von mir, aber Schüler sind ja Schüler (oder Schülerinnen). Und die entwickeln sich ja. Und teilweise gehört zur Entwicklung dazu, dass man den, der da vorne steht, blöd findet. Oder dass man überhaupt nicht mag, wenn man Vorschriften bekommt. Es nervt schon, wenn man sich jedes Mal rechtfertigen muss, wenn Schüler nicht auf einen hören. Aber es ist nicht so, dass man sich persönlich genervt fühlt. Man vergibt eigentlich sofort und weiß ganz genau, dass macht er jetzt, weil er so und so ist. Das ist jetzt nicht richtig nerven.


Was sind ihre Hobbys, wenn Sie dann mal Freizeit haben?
Gerade im Moment gönne ich es mir ab und zu, joggen zu gehen, und ich spiele manchmal Volleyball. Bevor das Arbeitsleben mich komplett in Beschlag genommen hat, eher, bevor meine Kinder mich komplett in Beschlag genommen haben, war ich sehr häufig auch im Kino oder habe andere kulturelle Dinge gemacht. Das kommt im Moment etwas zu kurz.


Wenn wir gerade schon bei Kino sind, was ist denn Ihr Lieblingsfilm?
„Harold und Maude“


Worum geht es da, ganz kurz gesagt?
Um eine 80-jährige, die einen sehr jungen Freund hat und Selbstmord begeht. (Anm. Der Redaktion: Es ist eine Komödie.)


Was unternehmen Sie am liebsten mit Ihrer Familie?
Wir sind im Moment sehr stark von dem Sport unserer Kinder bestimmt. Das ist wirklich sehr zeitaufwändig. Ansonsten machen wir gerne Ausflüge, wir fahren z. B. sehr gerne Ski oder wir wandern gerne. Dass wir einfach mal rauskommen, irgendwo hinfahren und uns etwas anschauen.


Was war ihr Lieblingsfach als Schüler?
Sport. Und Physik! (lacht)

 
Welche Fächer mochten Sie gar nicht?
Gar nicht kann ich gar nicht so sagen. Ich bin wirklich richtig gerne zur Schule gegangen. Weniger wegen der Lehrer, mehr wegen meiner Mitschüler. Ich war zwar ein fauler Schüler und habe kaum Hausaufgaben gemacht und wenn, dann abgeschrieben, aber ich habe wahnsinnig gerne im Unterricht mitgemacht. Ich fand es immer spannend, neue Sachen zu lernen. Nicht ganz so spannend fand ich Religion (war bei mir Pflichtfach) und Kunst, was mehr an der Lehrkraft lag, weil wir da als Klasse nur Blödsinn gemacht haben.

 
Danke für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg an unserem Gymnasium!
{Anna}