Eisige -20°C draußen, aber 90°C Gastfreundschaft in der Sauna und bei den Familien im hohen Norden.
Am Sonntag, 15. Februar 2026, traf sich unsere zehnköpfige Schülergruppe, im Rahmen des Erasmus+ Programms, am frühen Morgen am Flughafen BER. Nach der Kältewelle im Februar in Deutschland waren wir mit dicker Winterkleidung für die noch frostigeren Temperaturen Finnlands bestens gewappnet. Täglich freuten wir uns über zweistellige Minusgrade 😊.
Begleitet von Herrn Vorwerk und Herrn Schlegel hoben wir kurz vor neun Uhr Richtung Skandinavien ab. Die Hauptstadt Finnlands ist die größte Stadt mit 684.000 Einwohnern. Die Menschen in Finnland gehören zu den glücklichsten weltweit. Seit 8 Jahren in Folge belegen sie den ersten Platz beim World Happiness Report.
Mit der Regionalbahn ging es weiter zu unserem Zielort Orivesi, eine Kleinstadt mit knapp 9000 Einwohnern. Orivesi lässt sich mit Hengst des Wassers übersetzen.
Dort empfingen uns unsere Gastfamilien sehr freundlich und herzlich. Dank Social Media konnten wir schon vorher Kontakte knüpfen. Die finnischen Menschen sind zum Anfang immer etwas ruhiger und zurückhaltender.
Außerdem begrüßte uns auch die weite Winterlandschaft mit viel Schnee. Im Winter wird es in Finnland sehr schnell dunkel, nach einer kurzen Dämmerung.

Unsere Unterhaltungen erfolgten auf Englisch. Das hat super geklappt. Die meisten Finnen können sehr gut Englisch. Wer sich für die Landessprache interessierte, konnte auch ein paar Worte Finnisch lernen. Meine Gastfamilie wohnte 35 km vom Stadtzentrum entfernt, in einer abgelegenen Region. Gleich am ersten Abend habe ich einen Teil der finnischen Lebensweise kennengelernt. Ich durfte Holz für den Kamin und die Sauna hacken, mich in der Sauna aufwärmen und im Schnee abkühlen. Eine Sauna gehört in Finnland zur Grundausstattung.
Am ersten Morgen starteten wir sehr früh und trafen uns in der Schule in Orivesi.
Miia, die überaus liebe Deutschlehrerin, und Jenny, die Erasmus-Koordinatorin, hießen uns herzlich willkommen. Ein paar Kennlernspiele lockerten die Atmosphäre auf und danach bekamen wir einen spannenden Einblick ins finnische Schulsystem. Besonders beeindruckt waren wir von den vielen praktischen Fächern, mit einer Vielfalt an kreativen Möglichkeiten:
Arbeiten in der Holzwerkstatt & der Schmiede, Kochen, Handarbeiten oder sogar ein Medizinkurs. Im Keller gibt es einen kleinen Fitnessraum, ein Angebot nicht nur für alle Sportbegeisterten. Das finnische Bildungssystem gilt als eines der besten der Welt. In Finnland lernen die Kinder bis zur neunten Klasse gemeinsam.
Beim gemeinsamen Mittagessen haben wir uns nett auf Englisch unterhalten. In Finnland ist das Essen in den Schulen grundsätzlich kostenlos. Gut gestärkt haben wir eine kleine Führung bekommen und waren in der lokalen Bibliothek. Einige von uns besuchten anschließend noch den Deutschunterricht von Miia. Da haben auch wir Muttersprachler noch etwas dazugelernt 😊. In Finnland ist es üblich, dass sich die meisten Leute duzen. Interessant fanden wir, dass die Schüler*innen auch die Lehrkräfte duzen und mit Vornamen ansprechen. Den Abend ließen wir in den Gastfamilien ausklingen.
Mit finnischer Gelassenheit starteten wir auch in unseren zweiten Tag. Es gab verschiedene Workshops. Diese drehten sich rund um das Thema Natur & Wasser. Unsere Ergebnisse hielten wir in Form von Videos fest. Am Nachmittag schauten wir uns diese gemeinsam an und werteten sie aus.
Am Abend erwartete uns ein nettes Programm in der sogenannten Lounaspiste. Dort fanden das Mölkky statt, eine finnische Form von Bowling, und einige Gesellschaftsspiele. Es gab viel Gelächter. Eine positive Stimmung durchzog die abendlichen Stunden mit Spaß und guter Laune.
Am darauffolgenden Tag durften wir aktiv den Unterricht unserer Austauschschüler*innen besuchen. Wir, Leni und Sophie, nahmen am Schwedisch-Unterricht teil. Schwedisch ist die erste Fremdsprache, die in Finnland erlernt wird.
Der Unterricht in Finnland ist anders strukturiert als in Deutschland. Alle Schüler saßen in diesem Fach einzeln. Eine Aufgabe war, einen Mann anhand der Beschreibung aus einer Hördatei zu zeichnen, um so das Hörverständnis zu verbessern.
Die Unterrichtsstunden sind jeweils nur 75 Minuten lang. Die Lehrkräfte sind angewiesen, bewegte Pausen in den Unterricht mit einzuarbeiten. Diese erfolgen durch kurze Spaziergängen oder Dehnübungen.
Die Schwedischlehrerin verband diese Pause mit dem Vokabeltraining für unterschiedliche Körperteile. Sobald sie eine Vokabel auf Schwedisch ansagte, musste man dieses Körperteil berühren. Dadurch fühlte sich der Unterricht sehr viel gelassener an und es gab einen angenehmen Bruch in der starren Konzentrationsphase.
Am späten Vormittag machten wir uns mit unseren finnischen Austauschschülern mit dem Zug Lättähattu auf den Weg nach Tampere. Sie ist mit 260.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Finnlands (im Vergleich: Berlin-Lichtenberg; 311.000 Einwohner).
Auf der obersten Etage des Solo Sokos Hotel Torni Tampere verschafften wir uns einen Überblick über Tampere und die zwei Seen, die die Stadt umgeben. Danach besuchten wir noch den Dom Tampere Cathedral.
Anschließend erkundeten wir das Zentrum auf eigene Faust und schauten nach ein paar Mitbringsel für Zuhause.
Der Donnerstag war unser letzter Tag in Orivesi. In der Schule reflektierten wir gemeinsam mit unseren Lehrern die Zeit in Finnland. Sehr positiv fanden wir die kürzeren Unterrichtsstunden, dass es insgesamt weniger Hausaufgaben gibt und, dass auch die Lehrkräfte geduzt werden. Besonders gefielen uns die Praxisfächer Kochen, Handarbeit, Handwerk und der Gesundheitsunterricht.
Nach der Verabschiedung von unseren finnischen Gastgeber*innen brachen wir zur Hundeschlittentour auf. In Zweierteams wurden wir in einem Schlitten von sieben Hunden gezogen.

Danach wärmten wir uns in einem Zelt am Feuer auf, aßen gegrillte Würstchen und tranken Tee oder Wasser mit Sirup, ein typisch finnisches Getränk.

Anschließend fuhren wir nach Helsinki, in unser Hostel. Dort ließen wir abends in einem Restaurant noch einmal unsere Reise Revue passieren.
Vor unserer Abreise am Freitag, hatten wir noch etwas Zeit, Helsinki zu entdecken. In Kleingruppen besuchten wir unter anderem eine Kirche, das Design-District und eine finnische Mall.

Am späten Abend erreichten wir pünktlich Berlin.
Wir bedanken uns sehr herzlich für die Gastfreundschaft bei den finnischen Lehrkräfte und bei unseren Gastfamilien. Ein besonderer Dank gilt auch unseren begleitenden Lehrern, Herrn Vorwerk und Herrn Schlegel, für die gute Organisation und die tolle gemeinsame Zeit.
Es war eine schöne Reise mit vielen neuen Eindrücken und spannenden Erfahrungen.
Schön wäre es, wenn die neu entstanden Freundschaften oder zumindest die Kontakte mit den finnischen Schüler*innen erhalten bleiben.
Thank you for everything, the beautiful journey and your warm hospitality.
Kiitos! Näkemiin, moi moi
Sophie Fiedler (11Wul) & Leni Kirchert (11Goe)